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Zum Straßenfest "Klein und laut aber nicht kleinlaut" am 16.9.11 in der Kreuzberger Admiralstr. findet Ihr hier:

Der Aufruf

Straßenfest "Klein und laut - aber nicht kleinlaut!"

Nachdem am 23.06.11 ein Erzieher einer Einrichtung des T.E.K. e.V. vor den Augen der Kinder und der Kollegin auf einem öffentlichen Spielplatz im Hinterhof eines Wohnhauses an der Admiralstraße am Kotti brutal zusammengeschlagen wurde, möchten wir ein deutliches Zeichen setzen und mit einem Straßenfest für die Kinder, ErzieherInnen, Eltern und AnwohnerInnen diesen öffentlichen Raum zurückerobern.

Dieses Fest möchten wir mit vielen sozialen Einrichtungen, politischen Initiativen und anderen AkteurInnen im Kiez am 16.09.11 umsetzen. Zu einem ersten gemeinsamen Vorbereitungstreffen seid ihr herzlich eingeladen: am Dienstag, 16.08.11 um 18.00 Uhr im Cafe Südblock, Admiralstr. 1-2 (am Kottbusser Tor)

Kurz die Geschehnisse:
Ein Anwohner hatte sich von dem "Kinderlärm" gestört gefühlt und rief vom Balkon zu den ErzieherInnen, sie sollten mit den Kindern verschwinden. Die ErzieherInnen entschieden sich jedoch auf dem öffentlichen Spielplatz zu bleiben, woraufhin kurz darauf der Anwohner mit einem Begleiter auf dem Spielplatz erschien und ohne Vorwarnung auf den Erzieher einschlug. Der Erzieher musste in einem Krankenhaus behandelt werden, erlitt Prellungen und Schürfwunden und konnte längere Zeit nicht arbeiten. Die Kinder und die Kollegin erlitten einen Schock und müssen psychologisch betreut werden.
(Mehr zu dem Vorfall findet ihr unter folgenden Links:
» http://www.erzieherin.de/gewalt-auf-dem-kinderspielplatz.php
» http://www.tagesspiegel.de/berlin/kinderlaerm-anwohner-verpruegeln-erzieher/4318456.html
» http://www.tagesspiegel.de/berlin/mutmasslicher-spielplatz-schlaeger-verliert-wohnung/4345042.html)

Mit einem Sommerfest vor Ort möchten wir vor allem allen Betroffenen, Kindern, ErzieherInnen, Eltern und AnwohnerInnen wieder einen angstfreien Zugang zu diesem öffentlichen Raum schaffen. Kinder sind laut und das ist richtig so! Eine Gesellschaft muss sich ihrer Verantwortung für die Kinder bewusst sein. Kinder müssen sich entfalten können, spielen können, laut sein dürfen. Dafür wollen wir ein Zeichen setzten, damit wollen wir raus an die Öffentlichkeit!

PassantInnen, die das Geschehen mitbekommen haben, schritten zögerlich bzw. gar nicht ein, riefen lange Zeit nicht einmal Hilfe. Wir wollen uns deshalb mit dem Fest auch für Zivilcourage und gegen eine "Kultur des Wegsehens" auszusprechen.

Aber auch gegen öffentliche Reaktionen auf den Vorfall, die den mutmaßlichen Migrationshintergrund des Täters als Ursache darstellen, möchten wir klar Position beziehen. In vielen Veröffentlichungen aus der rechten Ecke wurde dies immer wieder so formuliert, aber auch so manche Tagespresse erwähnte mit einem "vielsagenden Unterton" die Herkunft und "fremde Mentalität" ( » http://www.tagesspiegel.de/berlin/der-spielplatz-bleibt-leer/4322166.html ). Auf diese Weise werden bewusst oder unbewusst rassistische Vorurteile geschürt. Wir möchten dagegen halten: Die Ursachen, sofern sie überhaupt mit einfachen Modellen erklärt werden können, liegen in sozialen Problemen und nicht in der Herkunft und nicht nur in Kreuzberg.
(Auch in Alt-Glienicke gibt es solche Vorfälle: » http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13325225/Mann-wirft-mit-Polenboeller-nach-weinendem-Kind.html )

In den Wohnblocks am Kotti leben sehr viele Menschen von Hartz4, Menschen, die von Abschiebung bedroht sind und Menschen in anderen schweren sozialen Situationen auf engem Wohnraum, die sich häufig auf Grund steigender Mieten in anderen Quartieren keine Wohung leisten können und sozial ausgegrenzt werden.
Hier liegen also auch Versäumnisse der Politik vor, wenn an sozialen Einrichtungen, SozialarbeiterInnen, Unterstützungsinitiativen, etc. gespart wird, hingegen die Sicherheitsvorkehrungen wie Kameraüberwachung und Wachschutzpersonal (auch in diesem im Block) erhöht werden. Eine Politik, die sozialen Problemen mit einer Aufrüstung der "Sicherheit" durch Kontrolle begegnet und soziale Projekte kürzt oder abschafft und Menschen Partizipationshürden baut (Asylgesetz, Hartz4-Gesetze), ist mitverantwortlich für solche Vorfälle.
Somit ist das Fest auch als Statement für eine menschenfreundliche, vernetzte und soziale Nachbarschaft und ein Appell für eine sozialere Stadtpolitik.

All diese Gedankengänge prägten unsere Vorüberlegungen, welche genaue Ausrichtung und welchen Umfang das Fest haben soll und vor allem welche Beteiligung ihr euch vorstellen könnt, möchten wir mit euch auf dem Vorbereitungstreffen am 16.08.11 im "Südblock" besprechen.
Auch wie das Fest konkret aussehen kann, soll auf dem Treffen besprochen werden. Angedacht sind Stände, Angebote und Darbietungen. Vor allem soll es aber um gemeinsames Zusammensein und nicht um Konsum gehen.

Wir hoffen auf eure Ideen und eure praktische Unterstützung in der Vorbereitung und Durchführung.

In diesem Sinne: Friedrichshain-Kreuzberg bleibt laut!

Eure Till Eulenspiegel-Kette (T.E.K. e.V.)

Treffen:
Dienstag, 16.08.11
um 18.00 Uhr
im "Südblock", Admiralstr. 1-2 (am Kottbusser Tor)